Buchtipp - Zwischen Sinn und Management 

S. Klein (geb. Motamedi): Trainingstools

Wieder einmal ein Buch, für dessen Anschaffung ein schmerzhafter Griff in das Portemonnaie fällig ist: 50 € für ein "Nachschlagewerk für Trainer und Personalentwickler". Es werden 19 Methoden der Psychotherapie für den betrieblichen Alltag vorgestellt und diskutiert.
Was kann das wohl bedeuten? Kann man nach der Lektüre alle Methoden einsetzen? Aber wozu benötige ich 19 Methoden? Und… noch eine Frage: Psychotherapie im betrieblichen Alltag? Haben wir so viele kranke Mitarbeiter?
Antworten auf diese Fragen gibt es im Vorwort: Interessanterweise sieht die Autorin den ersten Nutzen des Buches nicht beim Berater, sondern beim Unternehmer, der sich mit dem Buch auf das Auftragsgespräch mit einem externen Berater vorbereiten kann. "Wer nur einen Hammer hat, macht aus allen Problemen Nägel" argumentiert Frau Klein und möchte damit den Unternehmer sensiblisieren, zu prüfen, ob der Berater auch die passende Ausbildung und Methode für die spezifischen, eigenen Fragestellungen parat hat.
Dem Berater rät die Autorin, keine Methode als allein-seligmachend anzusehen und empfiehlt ihr Buch als erste Übersicht über die Möglichkeiten und Grenzen der verschiedenen therapeutischen Schulen. Wem also die eine oder andere Schule zusagt, der möge sich doch mit spezieller Literatur und Kontakt zu den Ausbildungsinstituten in die jeweilige Schule einarbeiten, um damit später arbeiten zu können. Für die restlichen Schulen sei es hilfreich, schon mal von ihnen gehört zu haben und sie einordnen zu können.
Was kann man denn nun, sofern man die Kenntnisse und Erfahrungen in einer bestimmten Schule vertieft hat, in der betrieblichen Praxis anwenden?
Die Unterschiede zwischen therapeutischem Setting und Arbeitssituation werden von der Autorin sehr wohl benannt: Ziel des Kontaktes ist nicht die Heilung des Patienten, sondern die Leistungserbringung in Bezug auf (gemeinsame) Ziele. Die Freiwilligkeit der therapeutischen Sitzung ist in der konkreten Arbeitssituation ebenfalls nicht gegeben. Frau Klein arbeitet sauber und übersichtlich heraus, welche Schulen von Beginn an auch in Unternehmen eingesetzt wurden und welche Methoden nicht (nur) auf die Heilung, sondern auch auf die Gesunderhaltung des Menschen abzielen und somit auch im betrieblichen Kontext von Bedeutung sind.
Behandelt werden (in alphabetischer Reihenfolge): Autogenes Training, Bioenergetik, Feldenkrais, Focusing, Gestalttherapie, Gordon-Training, Hypnotherapie, Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie, Kognitive Verhaltenstherapie, Konstruktivismus, Logotherapie und Existenzanalyse, NLP, Progressive Muskelentspannung, Provokativer Kommunikationsstil, Psychodrama, Rational-emotive Therapie, Systemische Therapie, Transaktionsanalyse und TZI.
Trotz einer verwirrenden Vielfalt behält der Leser aufgrund des gut strukurierten und immer verständlichen Aufbaus den Überblick: Einführungen über die Begründer der Therapierichtung und dessen Entstehungshintergrund, ein Überblick über die Methode sowie Bezüge zu den anderen Methoden machen beim Lesen viel Freude. Man lernt schnell dazu, verknüpft den einzelnen Kontext und hat dabei stets das Gefühl, umfassend informiert zu werden und auf dem Weg zu einem Experten zu sein.
Expertentum sehr wohl in einer praxisorientierten, auf Methodenkompetenz ausgerichteten Weise - weit entfernt vom Fachidioten.
Wer sich das Buch in der Nähe seines Schreibtisches aufhebt, kann sich, wenn er etwas Zeit hat,
genüsslich eine weitere Methode anlesen.
sich bei Bedarf einen prägnanten Überblick verschaffen, um mitreden zu können.
Auch als Berater und Trainer findet man hier viele gute Hinweise für die Vor- oder Nachbereitung der eigenen Arbeit.
Alles in allem ein gelungenes Buch. Wer die 50 € - Ausgabe verkraftet hat, wird viel Freude an dem Buch haben.

(MC)


 



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