Buchtipp - Zwischen Sinn und Management 

D. Hartfelder: Unternehmen und Management vor der Sinnfrage - Ursachen, Probleme und Gestaltungshinweise zu ihrer Bewältigung

Das vorliegende Buch ist wie schon der Buchtipp vom September eine Dissertation von der Universität St. Gallen. Der Autor hat sich zunächst in einem Artikel über "Management als Sinnvermittlung?!" in der Fachzeitschrift "Die Betriebswirtschaft" (siehe Literaturverzeichnis) mit dem Thema Sinn in der Arbeitswelt befasst. Seine Doktorarbeit vertieft nun die Frage nach dem Sinn im Management, in dem bestehende Konzepte in der Managementlehre und -praxis aufgearbeitet werden und ein neues Modell zum Aufbau und zur Erhaltung von Sinnpotentialen in sozialen Systemen entworfen wird.

Einleitend befasst sich Hartfelder mit der Sinn- und Orientierungskrise der Moderne, die Viktor Frankl bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts vorhergesagt hat. Erinnert sei hier nur an das berühmte Zitat, dem Menschen sage im Gegensatz zum Tier kein Instinkt, was er tun müsse und im Verfall der Traditionen auch niemand mehr, was er tun solle, so dass zu befürchten sei, der Mensch wisse bald nicht mehr, was er tun wolle.

Hartfelder untersucht ausgiebig die Geistes- und Humanwissenschaften nach einem geeigneten Sinnbegriff und stößt dabei auch auf Viktor Frankl, dem er bescheinigt, als Einziger eine verwendbare Definition erarbeitet zu haben. Bei der Aufarbeitung der Managementkonzepte geht der Autor auf die Sinnfrage und die Idee der fortschrittsfähigen Organisation, auf die Unternehmenskultur, Corporate Identity sowie auf Motivation als Sinnersatz ein. Letzteres bezieht sich auf den Ansatz von Sievers, dessen Aufsatz ebenfalls im Literaturverzeichnis zu finden ist. Natürlich darf in diesem Kapitel der Ansatz von Dyllick zum Management als Sinnvermittlung nicht fehlen.

Im letzten Teil seiner Arbeit entwirft Hartfelder dann ein Gestaltungsmodell zum Aufbau und zur Erhaltung von Sinnpotentialen in sozialen Systemen. Dieser ganzheitliche Ansatz nimmt die Aufgabenvielfalt im Unternehmen als Grundbedingung und sieht die Kommunikation als Träger der Sinntransformation. Dabei muss der "Makro-Sinn, also Werte, Normen,… auf die Verhaltensebene inkorporiert und damit in die soziale Organisation eingebettet werden. Andernfalls läuft dieser Sinn ins Leere. Kommunikation ist also eine wesentliche Voraussetzung für den Umgang mit dem Sinn-Faktor im Unternehmen.

Alles in allem eine tolle Arbeit. Sie gibt einen vollständigen, wenn auch schon älteren (1989) Überblick über die Thematik und ist jedem zu empfehlen, der sich auch ein wenig wissenschaftlich mit der Frage nach dem Sinn im Unternehmen auseinandersetzen möchte.

(MC)




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